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Echternach und Bollendorf oder "Von der Relativität der Grenzen" PDF Drucken E-Mail
Montag, den 26. Januar 2009 um 13:48 Uhr

In der heimatkundlichen Zeitung "Gester an Hätt" 30/2003 lesen wir einen Artikel der, wie der Autor selbst schreibt,: "... heimatkundliches Grundwissen" vermitteln soll.


Echternach und Bollendorf oder "Von der Relativität der Grenzen"

Von Dr. Michael Weidert, Bollendorf


"Bei aller Eigentümlichkeit und Verschiedenheit der einzelnen Nationen verrät das europäische Völkersystem dennoch durch einen auffallend ähnlichen Geist der Sprachen, der Verfassungen, Gebräuche und Einrichtungen, in vielen übrig gebliebenen Spuren der früheren Zeit den gleichartigen undgemeinschaftlichen Ursprung in ihrer gesamten Geisteskultur. Die Bildung dieser äußerst merkwürdigen Völkermasse ist so innig verknüpft, so durchgängig zusammenhängend, so beständig in gegenseitigem Einflusse aller einzelnen Teile, sie hat bei aller Verschiedenheit so viele gemeinschaftliche Eigenschaften, strebt so sichtbar nach einem gemeinschaftlichen Ziele, dass sie nicht wohl anders als wie ein Ganzes betrachtet werden kann."

(August Wilhelm Schlegel)1



Das, was der deutsche Romantiker August Wilhelm Schlegel in diesen wenigen Worten ausdrückt, ist eine Grundgewissheit der europäischen Geschichte und relativiert in diesem Sinne Bestrebungen Geschichtsschreibung lediglich im nationalen Horizont zuzulassen. Gerade die Beschäftigung mit der regionalen Geschichte unserer Heimat, der Eifel, macht die Notwendigkeit eines forschenden Blickes auch über die Orte und Landschaften der eigenen Nation notwendig. Exemplarisch kann diese Gewissheit an dem Verhältnis zwischen den Sauerortschaften Echternach und Bollendorf aufscheinen.


Zwei Orte, eine in weitesten Teilen gemeinsame Geschichte. So und nicht anders würde ich das historische Verhältnis zwischen dem heute luxemburgischen Echternach und dem heute bundesdeutschen Bollendorf beschreiben. Das Verhältnis freilich war nie paritätisch: die über das ganze Mittelalter und die Frühe Neuzeit bedeutende Abteistadt Echternach übernahm schon früh die Rolle des prägenden und bestimmenden Partners gegenüber dem Dorf einige Kilometer saueraufwärts. Der vorliegende Artikel will nur ein bescheidenes Kaleidoskop gemeinsamer historischer Verbindungen sein und versuchen, streiflichtartig und oberflächlich Gemeinsames zu betonen.

Die Verbindungen von Echternach und Bollendorf sind relativ spät sicher nachzuweisen. Für die vorrömische Epoche und die Phase der imperialen Besetzung und Besiedlung durch die Römer gibt es keine sicheren Zeugnisse einer Verbundenheit. Es darf jedoch nicht angenommen werden, dass die Menschen damals keinen Kontakt zueinander gehabt haben. Sowohl in Bollendorf, als auch um Echternach lässt sich eine Besiedlung in antiker und prähistorischer Zeit nachweisen. Wer könnte ernsthaft glauben, dass aus dem befestigten Vicus Echternach nicht Waren aller Art auch in das römische Landhaus von Bollendorf gekommen wären, war doch Ersteres an einer bedeutenden Römerstraße gelegen, die für die Versorgung der verstreuten Villae im heutigen Grenzgebiet lebenswichtig war.2 Gemeinsames gab es: auf beiden Seiten der Sauer lebten Treverer, ein keltischer Volksstamm, der von den Römern unter Caesar "befriedet" worden war. Alle Treverer lebten im römischen Reich, unter römischer Ägide, und auf die Römer gehen die Wurzeln beider Orte zurück. Daneben lebten Römer und Galloromanen, die aus der Vermischung der keltischen Urbevölkerung und den Invasoren von der italischen Halbinsel hervorgegangen waren. Der geographische Name "Luxemburg" war nicht bekannt, und mit dem schwer zu definierenden Wort "deutsch" konnte sicherlich keiner etwas anfangen. "Völkisch" betrachtet, um einen missklingenden und missbrauchten Ausdruck zu verwenden, bildete die Sauer keine Grenze. Diese gab es damals eigentlich nur an den äußeren Enden des Weltreichs, den Grenzprovinzen.


In die wirklich quellenmäßig zu belegende erste und grundlegende Phase des Konnexes zwischen Echternach und Bollendorf treten wir mit der endgültigen Christianisierung unserer Heimat in fränkischer Zeit ein. Aus Untertanen des Imperium Romanum wurden Untertanen der neuen Herrscher, der Franken. Der angelsächsische Missionar Willibrord gründete mit einigen Gefährten die Abtei in Echternach und bekam von einem fränkischen Adligen namens Arnulf, Sohn des Drogo, dessen Erbe an Bollendorf geschenkt (um 715). Damit gehört Bollendorf nicht zu der ersten Phase der Schenkungen von Mitgliedern des fränkischen Adels an Willibrord.3 Die Urkunde 4 hält fest, dass das Kloster Arnulfs ganzen Anteil an Feldern, Wäldern, Häusern und Gewässern etc. ("casis, mansis, campis, pratis, silvis, pascuis, aquis aquarumque decursibus”) bekommt. Als Anlass erwähnt die Urkunde die Angst Arnulfs um das eigene Seelenheil ("pro anime nostre remedio vel eterne retributionis“).. Wenig später (23.2.718) schenkt der fränkische Hausmeier Karl Martell ("der Hammer“) seinen Teil von Bollendorf dem Kloster.5 Fast ganz Bollendorf ging damit aus arnulfingischem Hausgut bis zur Auflösung der Abtei Ende des 18. Jahrhunderts in den Besitz der Echternacher Abtei über; "in den fruchtbaren Gegenden von Sauer und Prüm massierte sich allmählich ein ausgedehntes Klostergut.6 Für den weiteren Verlauf des Mittelalters sind durch Urkunden vielfältige Verbindungen zwischen den beiden Orten belegt, sei es, dass Bollendorfer Ministeriale als Zeugen in Urkunden auftauchen oder in päpstlichen Urkunden die Besitzungen Echternachs bestätigt werden. In einem Fall war es sogar nötig, dass Graf Heinrich von Luxemburg die der Abtei unrechtmäßig entzogenen Vogteirechte wiederherstellen musste ("in Bollendorf, Steinheim, Bech et Erle nullus advocatus debeat habere placitum et servitiumu).7


Wie aus der Sicht der Bollendorfer das Verhältnis zur Abtei bestimmt war, zeigt ein Passus aus einem Weistum von 1459, also einem urkundlich fixierten Rechtsakt.

Dort heisst es: "Wysen dye scheffen zu Bollendorff mynen heren apt syn gnad vor eyn rechten gronthern, und haint syner [gnaden] zugewiest, man und ban, so ser er den behalden kann, wasser und weyd, wieszen und feit, sont und prompt, den baum usz der wortzeln bis an den wippel, gebot und verbot, zehnen und zense, als vor ihren rechten erffherren.8 Das Sagen hatte ohne Zweifel der geistliche Herr, der Abt von Echternach. Seine Befugnisse erstreckten sich auf die verschiedenen Bereiche: Gewalt über Personen, Nutzungsrechte, Befugnisrechte und das Recht auf materielle Abgaben. Die Stellung der Grundherrn wird besonders charakterisiert durch ihre Erblichkeit. Ein anderes Weistum belegt die Pflicht der Dörfler, dem Abt in einem offiziellen Akt zu huldigen ("demnach wollgen. Gotteshausz in viel hondertjähriger continuirl. und geruhljcher possession vel quasi vere, bey ankommen eines neuwen prelat huldigung von allen und jeden underthanen und hoffsgenossen des hoffs Bollendorff zu entpfangen, dasz seine hochw. sie die underthanen zu dem endt durch den hoffsmeyer gepiethen und versambien thun, mit gnädigem begehren und erfordern dasz ihnen, gleich dero in gott ruhenden vorfahren die schuldig und gewohnliehe huldigung, eydt und pflicht geleistet werden solle, worauf obbenente underthanen (... ) sie auch willig und bereit weren obsolche huldigung gehorsamblich zu leisten, und alsz ihre hochw. darauf geantwortet (... ) haben die underthanen alle und jede die huldigung alsz gleich gethan und mit uffgereckten zweyen fingern den von wort zu wort hernach inserirten eydt wurcklich geleistet und geschworen“).9 Alles in allem war klar: die Abtei war der Grundherr und bestimmte, die Bewohner des Dorfes leisteten den Treueid und 'damit Ersatz für den durch die Reichsabtei gewährten Schutz. Die Besonderheit war, dass die Abtei Echternach sowohl Grundherr als auch die Verfügungsrechte über das Gotteshaus von Bollendorf und dessen Besitz, die sogenannte Kirchenfabrik, innehatte. Das frühneuzeitliche Dorf akzeptierte das durch den mittelalterlichen Ordo-Gedanken bestimmte und legitimierte Verhältnis zwischen Herrn und Untertanen vorbehaltlos...soweit wir darüber aus den Quellen Informationen haben. Dieses über Jahrhunderte stabile Verhältnis sollte erst im Soge der Französischen Revolution der Zerstörung anheimfallen. Zu dieser Zeit war eine der berühmtesten Attraktionen Echternachs schon einige hundert Jahre alt. Die Rede ist von der weltbekannten Springprozession. Zu dieser Veranstaltung, die als eine heute seltene Form des kultischen Tanzes angesehen werden kann, war die Pfarrei Bollendorf schon seit langem verpflichtet. Dies bestätigt ein Echternacher Register aus dem 15. Jahrhundert. Heute ist Bollendorf der letzte Rastort der Prümer-Waxweiler Wallfahrer vor der eigentlichen Prozession am Pfingstdienstagmorgen.10

Dies verdeutlicht auch ein Passus aus einer Schrift aus dem Jahr 1884: "Gegen 7 Uhr zieht von Bollendorf herab, der sich anmutig schlängeinden Sauer entlang, die bedeutende Großprümer Prozession."11


Mit dem 17. und 18. Jahrhundert, an dessen Ende die Auflösung der Abtei im Rahmen der Säkularisierungsbewegung stand, kam eine neue Verbindung zwischen Echternach und Bollendorf zustande. Die Äbte entdeckten die malerische Lage Bollendorfs und nutzten den Ort, der bisher nur als Sitz eines Fronhofes gedient hatte, als Sommerresidenz und wurden infolgedessen vermehrt als Bauherren tätig.12 Den Anfang machte Abt Peter Richardt mit der Burg Bollendorf, gefolgt von Gregor Schouppe, der dieselbe erweiterte und renovierte (vgl. die Inschrift über dem Hauptportal "Hoc castrum foris ac intus totu, reformavit et amplificavit"); "der großen Gartenanlage auf der Ostseite gab die jetzige Gestalt Abt Michael Hormann.“13 Auch der Ortsteil Weilerbach steht in enger Verbindung mit der Abtei. Hier entstand, nachdem das ältere Eisenwerk auf der Altschmiede 1776 aufgehoben worden war, in den Jahren 1777-1779 auf Betreiben des Abtes Emanuel Limpach eine Eisenschmelze mit angeschlossener Schmiede. Dass auch die Altschmiede der Abtei gehörte bezeugt ein Weistum. Dort heißt es: "Wir kunden und attestieren hiermit ohne einigs induction noch persuasion, daß das land und gütter, worauf die schmid und schmeltz wie auch schmitten Hauß sambt zu gehöre oberhalb Bollendorf gebaut, dem Abteylichen Gottes Hauß ad Sanctum Willibrordum zu Echternach gehörig, so gar, daß sie gesehen, daß solche gütter vor erbauung solcher schmid durch deroselben hoffmann gebaut und geackert worden sind und daß sie keinen anderen da selbste für ihren Hoch-Grund- und Mittell-Gerichtsherrn, alß eben abgedachte Abtey (haben)..." 14 1780 folgte die Errichtung eines Schlosses in Weilerbach mit einem Weinund Obstgarten. Der ehemals Echternacher Friedensrichter Franz Josef Michael Müller aus Trier spricht in der Diktion des 19. Jahrhunderts von einem "Schmiede= und Eisenwerk, welches der letztere Abt zu Echternach, Emanuel Limpach (+1793) unter der Direction des Baumeisters Paul Mangenast, in den Jahren 1776, 77, 78 und 1779, an einer Stelle, wo nichts als Wildniß, Steine und Gesträuche zu sehen waren, anlegen ließ nebst einem ansehnlichen Schlosse, und drei mit springendem Wasser belebten Gärten."15 Der Abt war von seiner Errungenschaft offenbar so begeistert, dass er andere Pflichten vernachlässigte: "Der Abt ließ an einem Orte Weilerbach, wo die Natur alles verweigert hatte, eine kostspielige Schmiede errichten.

Um die Kosten zu decken schmälerte er die Tafelkost der Mönche (...) Die Abteipferde sind das ganze Jahr auf dem Hüttenwerk zu Weilerbach (... ) Abt Limpach ist nicht mehr ein asketischer Ordensmann, sondern ein weltlicher Geschäftsmann, der als Schmiedeherr wie bezaubert vom Weilerbacher Hüttenwerk dort seine Tage verlebt."16

Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch der Diesburger Hof auf dem Ferschweiler Plateau, der im 18. Jahrhundert ebenfalls zum Pfarrbezirk der Abtei gehörte, er "ist insofern für die Entwicklung sowohl des Echternacher als auch des lokalen Bauwesens relevant, als er eine in diesen Jahren einsetzende monumentalere Baugesinnung zum ersten Male zu erkennen gibt.“17


Die Französische Revolution brachte, wie in vielen anderen Bereichen, auch einen ersten Bruch in den B,eziehungen zwischen Bollendorf und Echternach, der schließlich, als eine direkte Folge der Revolution und der sich anschließenden napoleonischen Herrschaft, auf dem Wiener Kongress besiegelt wurde. Die Abtei wurde aufgehoben, ihr Besitz verkauft. Die Sauer wurde zur Grenze und konstituierte zum ersten Male einen nationalen Unterschied zwischen den Menschen diesseits und jenseits des Flusses.18 Es bewahrheitete sich, was der spanische Soziologe und Philosoph Jose Ortega y Gasset in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts im Hinblick auf die Staaten Europas bemerkte und was sicherlich auch heute noch gilt: "Die ganze Wahrheit ist, daß die gegenwärtigen Nationen nur die gegenwärtige Manifestation jenes veränderlichen, zu ewiger Überwindung verurteilten Prinzips sind. Dies Prinzip ist heute nicht die Blut- und Sprachgemeinschaft (...), dies Prinzip ist heute die natürliche Grenze."19 Die Sauer wurde zu dem auserkoren, was sich ethnisch und sprachlich verbot: zur Ziehung einer Grenze und zur Konstitution eines vermeintlichen Unterschieds zwischen den Menschen auf den gegenüberliegenden Seiten derselben. Ein Ende der alltäglichen Beziehungen der Menschen war jedoch mit dem Beginn der preussischen Herrschaft nicht gegeben: die Grenze war durchlässig wie erst heute wieder infolge des Schengener Abkommens. Austausch fand statt. Die luxemburgische Prinz-Heinrich-Bahn war auch für die Bollendorfer das "Tor zur Welt", Geschäfte und Heiraten wurden untereinander geschlossen und das Gymnasium in Echternach beherbergte auch Zöglinge aus Bollendorf. Soweit in einem kurzen Abriss einige Aspekte der Verbindung zwischen Echternach und Bollendorf; sozusagen das nötige heimatkundliche Grundwissen.


Was will und soll aber nun dieser Artikel? Sicherlich ist er nicht mit der Intention geschrieben worden zu informieren. Die hierin enthaltenen historischen Fakten sind kein Substrat eigener Forschungen und detaillierteres Wissen über die historischen Verbindungen zwischen beiden Orten geben die einschlägigen Orts- und Regionalgeschichten.

Nein: der Artikel versucht Zusammenhänge aufzuzeigen und ins Gedächtnis zu rufen, die letztlich eine Leistung von uns allen verlangen, nämlich die Bereitschaft und den Willen sich als Bollendorfer, Deutsche und Europäer fühlen zu können, ohne sich hinter nationalstaatlicher Kleinbürgerei zu verstecken. Vieles, dass die bewusst nationalstaatliche Ideologie des 19. und 20. Jahrhunderts verschüttet hat, tritt in dem modernen Europagedanken wieder zutage: nicht zuletzt die Konzentration auf Gemeinsames und Völkerverbindendes gegenüber der Betonung des Trennenden und Abwehrenden.


Was bleibt als zusätzliche Erkenntnis, die wir durch diese Andeutungen der geschichtlichen Verbindungen zwischen Echternach und Bollendorf gewonnen haben? Doch wohl die, dass die Grenzen in den Köpfen oft weniger dauerhaft sind als die politischen. Sollten wir, die wir im Herzen des europäischen Kontinents in einer Grenzregion leben, nicht endlich erkennen, dass schon unsere Vorfahren im Bezug auf Toleranz und Offenheit gegenüber dem Nachbarn weiter waren als wir und Grenzen wie selbstverständlich aufhoben und überschritten. So ist der Fortschritt hin zu einem Europa ohne Be- und Eingrenzung zugleich ein Rückblick in die Geschichte, aus der wir so vieles lernen können. Das Beispiel der Beziehungen zwischen Bollendorf und Echternach zeigt, dass Trennung erst entsteht durch künstlich geschaffene Grenzen, die ihrerseits ihre Undurchdringlichkeit erhalten durch einen perfide geförderten und falsch verstandenen Nationalismus. So möchte man dem deutschen Widerstandskämpfer Helmuth Graf von Moltke (hingerichtet 1945) zustimmen,der 1942 schrieb: "Für uns ist Europa nach dem Krieg weniger eine Frage von Grenzen und Soldaten, von komplizierten Organisationen oder großen Plänen. Europa nach dem Kriege ist die Frage: Wie kann das Bild des Menschen in den Herzen unserer Mitbürger aufgerichtet werden?"20 Möge es allen, Luxemburgern wie Deutschen, aufgehen, dass die Verschiedenheit zwischen ihnen minimal ist und letztlich aufgehoben wird in dem Bewusstsein, dass Zusammen- und Weiterleben auf Dauer nur möglich ist in einem fast grenzenlosen Europa.

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1 Zitiert nach G. Stenzel (Bearb.), Die deutschen Romantiker, 4 Bde., hier Bd. 1: Grundlagen der Romantik, München 1994, S. 478.

2 P. Steiner, Die Villa von Bollendorf, mit einem Beitrag von D. Krencker, in: Trierer Jahresberichte 12 (1923), S. 1-59.

3 So meint H. Schuermans, Bollendorf, in: Publications de la Section Historique de l'Institut Grand-Ducal de Luxembourg 47 (1899), S. 1-39, hier S. 37: ,,Des son arrivee, à l`èpoque merovingienne, les chefs de la contree convertis au christianisme, voulurent favoriser les efforts de l'apötre de l'Ardenne, à l`èffet de parachever la destruction d'finitive du paganisme. Le domaine de Bollendorfne faisait pas la partie des donations primitives des annees 696 et 698 (...)."

4 Siehe u.a. C. Wampach, Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter. Untersuchungen über die Person des Gründers, über die Kloster- und Wirtschaftsgeschichte aufgrund des liber aureus Epemacensis (698-1222),2 Bde., Luxemburg 1929, hier Bd. 2, S. 60-63.

5 C. Wampach, Geschichte (wie Anm. 4), Bd. 2, S. 65-68.

6 C. Wampach, Geschichte (wie Anm. 4), Bd. 1, S. 142. Neben den beiden Arnulfingern hatten noch eine gewisse Adelros und ein Rabengarius Anteil an der Ortschaft, für die zu dieser Zeit bereits mehrere Kirchen angenommen werden können.

7 C. Wampach, Geschichte (wie Anm. 4), Bd. 2, S. 323.

8 Aus M. Hardt, Luxemburger Weistümer als Nachlese zu Jacob Grimms Weisthümem, Luxemburg 1870, S. 120.

9 M. Hardt, Weisthümer (wie Anm. 8), S. 123.

10 Zum Charakter und Bedeutung der Wallfahrt siehe N. Kyll, Pflichtprozessionen und Bannfahrten im westlichen Teil des alten Erzbistums Trier, Bonn 1962, S. 61-64.

11 A. Reiners, Die Springprozession zu Echternach, in: P. Schaffner (Hg.), Frankfurter zeitgemäße Broschüren 5 (1884), S. 240-267, hier S. 242.

12 Vgl. dazu bei E. Wackenroder, Die Kunstdenkmäler des Kreises Bitburg, Düsseldorf 1927 die Artikel zu

Bollendorf (S. 69-78) und Weilerbach (S. 301-304); siehe ebenso M. Schmitt, Die Bautätigkeit der Abtei Echternach im 18. Jahrhundert (1728-1793). Ein Beitrag zur Geschichte des luxemburgischen Bauwesens im Barockzeitalter, Luxemburg 1970.

13 E. Wackenroder, Kunstdenkmäler (wie Anm. 12), S. 76.

14 Zitiert nach V. Dreesen, Industrialisierung in der Südeifel. Schwerpunkt 19. Jahrhundert, Ansätze und Entwicklung dargestellt am Beispiel der Verbandsgemeinde Irrel, 0.0. 1997, S. 78. Eigentlich LHaKo 231, 15, Nr. 437, fol. 26.

15 M.F.J. Müller, Historisch-topographische Beiträge zur Kenntnis des Saur-Thales von Sure bis Wasserbillich, Trier 1844, S. 37.

16 Zitiert bei P. Neu, Eisenindustrie in der Eifel, Aufstiege, Blüte und Niedergang, Köln 21989, S. 123. Eigentlich: 1. Wagner, La siderurgie Luxembourgeoise avant la decouverte du gisement des minettes, Diekirch 1921, S. 183.

17 M. Schmitt, Bautätigkeit (wie Anrn. 12), S. 187.

18 Die Franzosen hatten die Grenze erst am Rhein gezogen. Unter ihrer Regierung gehörten Echternach und

Bollendorf zum selben Departement (Wälderdepartement) und zum selben Kanton (Echternach). Bollendorf

bildete ein Echternach untergeordnetes Verwaltungszentrum (Bürgermeisterei).

19 J. Ortega y Gasset, Der Aufstand der Massen, Hamburg 1959. S. 122.

20 HJ. Graf von Moltke, Letzte Briefe aus dem Gefängnis Tegel, Berlin 101965, S. 20f.

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