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Bauanleitung eines Sauerkahns PDF Drucken E-Mail

Ein Sauerkahn bei EchternachVon unserem Praktikanten Tobias Pott aus Wintersdorf nach EVY FRIEDRICH (1977): „Die Schaffbaier“ – in: „Echternach – notre ville".

Wer waren die „Echternacher „Schaffbaier“?
Die Echternacher „Schaffbaier“ waren Schiffbauer, von denen gesagt wird, sie seien so hartnäckig und starrköpfig gewesen wie die „Kirpen“ der Boote, die sie bauten. So wurden die „Schaffbaier“ zu „Kirpekeep“.

Welche Vorarbeiten waren notwendig, um überhaupt an die Konstruktion eines Bootes denken zu können?
Die Bäume zur Verarbeitung ersteigerten sich die „Schaffbaier“ auf sogenannten Holzversteigerungen, den „Böschkermessen“. Die so erworbenen Bäume brachten sie auf ihren Arbeitsplatz, der sich zeitweise vom Bahnhof bis unterhalb der Sauerbrücke ausdehnte. Dieses Terrain gehörte der Stadt Echternach und wurde von Schiffbauer- und Schifferfamilien je nach Bedarf gepachtet. Auf dieser „Schaffplaaz“ wurden die Eichen und die Buchen aufgestapelt, nachdem sie schon vor dem Kauf sorgfältig auf Krankheiten kontrolliert wurden.

Die Baumstämme wurden dann von den „Dillschnidder“ der Länge nach zu Brettern geschnitten. Vorerst wurden sie allerdings auf die gewünschte Länge gebracht. Danach wurden die überstehenden und störenden Äste und Zweige entfernt. Mit einer schmalen Hacke wurde dann schließlich die Rinde vom Stamm getrennt und die gesamte Stammlänge auf eine möglichst gleichmäßige Dicke gebracht, sodass der Stamm „waldkantig“ wurde, wobei die Späne wegflogen. Die rechts und links abgetrennten Bretter hießen „Schouaten“ (Schwarten).

Der nun auf diese Weise vorbereitete Stamm wurde danach auf zwei Holzbalken gelegt, die rechtwinklig über einem grob ausgemauerten Graben von etwa einem Meter Tiefe lagen. Mit Klammern wurde der Baum an beiden „Schro’en“ festgemacht. Nun traten die Langbrettschneider (Dillschnidder) mit ihrer etwa 2,50 Meter langen mit großen Zähnen versehenden „Hôlsee“ in Aktion.

Einer der „Dillschnidder“ stieg in die „Schnaidkaul“, der andere auf den darüber gelegenen Stamm. Jeder der beiden fasste einen Griff der Säge, die dann durch den Stamm gezogen wurde. Auf diesem war vorher mit einer in eine Art Tinte getauchten Schnur der genaue Verlauf des gewünschten Schnittes gezeichnet worden. Der Querschnitt des Stammes wurde auf die gleiche Weise gezeichnet. Die „Dillschnidder“ mussten die schwarzen Linien stets genau im Auge behalten, wobei der oben stehende die Leitung übernahm.

Waren die Bretter geschnitten, so wurden sie haufenweise aufeinander gelegt, damit sie nicht von der Luft ausgetrocknet wurden und das Holz nicht riss. Im Sommer wurden sie zur weiteren Vorbeugung mit Sägemehl überdeckt.

Da das zu bauende Schiff auf beiden Seiten zugespitzt sein sollte, musste die Bretter gebogen werden, um eine für das Schiff übliche Krümmung zu erhalten. Zu diesem Zweck wurden sie auf ein Gestell gebracht, den „Brennstôck“, unter dem ein Feuer unterhalten wurde. Steine auf beiden Seiten des Brettes ermöglichten es die gewünschte Krümmung zu erzielen und beizubehalten. Ungleichmäßigkeiten des Holzes wurden mit zusätzlichen Gewichten korrigiert. Zu dieser Beschwerung wurden vorwiegend Teerfässer verwendet, da das Boot nach seiner Fertigstellung komplett mit Teer imprägniert wurde.

Wie bauten die „Schaffbaier“ ihre Boote?
Der eigentliche Schiffbau begann mit der Konstruktion des Gerüstes aus Balken, Pollern, Latten und Brettchen, die so angebracht wurden, dass sie ohne nachzugeben die Bretter des Bootes tragen konnten. Der Boden bestand aus zwei Balken, die Bootsflanken wurden durch schräg stehende Brettchen gestützt, die, um nicht auf den Boden zu gleiten, mit Propfen verkeilt wurden. Dies waren 20 bis 30 Zentimeter lange in die Erde gedrückte Holzstücke.

Wenn der Schiffbauer mit dem Bootsbau begann, legte er das Boot zuerst auf den Kiel. Boden und Flanken des Bootes wurden entweder direkt fest miteinander verbunden oder vermittels des Vordersteges, eines dicken widerstandsfähigen Holzstücks, das an einem oder an beiden Enden des Bootes eingebaut wurde. Für die gewöhnlichen Boote mit 60 bis 70 Zentimeter breitem Boden bestand dieser Boden aus zwei Brettern, die als kiel dienten. Er musste aus Eichenholz sein. In der Mitte war er fast horizontal, doch an den beiden äußeren Enden stieg er dank der den Brettern gegebenen Krümmung allmählich hoch und verjüngte sich gleichzeitig. Seitlich und nach außen leicht geneigt, kamen die Flankenbretter aus Eiche, die ebenfalls an ihren äußeren Enden gebogen waren und sich zuspitzten, um mit den Enden des Bodens den ansteigenden Teil zu bilden.

Die beiden Bretter des Bodens wurden in ihrer ganzen Länge durch dünne Brettchen provisorisch mit Holznägeln eng querverbunden. In die dadurch entstandenen Ritzen wurde mit Meißel und Hammer Moos gepresst und anschließend kleine handgeschmiedete elliptische Eisenplatten von 5 cm Länge und 1 cm Durchmesser mit einer querrilligen Seite eingetrieben. Mit Hammerschlägen wurde die schließlich die Platte der Ritze angeschmiegt. Eine erneute Wiederholung dieses Vorganges erfolgte und bedeckte teilweise den ersten, ähnlich wie Schieferplatten auf dem Dach sich decken. So wurde das ganze Boot wasserdicht gemacht. Mussten aufgetretene kleine Löscher oder Fugen gestopft werden, so verwendete man dazu Werg aus feinsten Leinfibern, die mit Pech imprägniert waren. Gelangte dennoch mal Wasser in das Boot, dann gebauchte man den Schöpfer.

An den Enden der Boote dienten horizontale Bretter als Sitzgelegenheit.

Das ganze Boot war außerdem mit Buchenbrettern nach außen ausgekleidet, die an beiden Bootsseiten und am Bootsboden angebracht waren. Als Dichtung dienten wiederrum die mit Pech imprägnierten Leinfibern. Beim Gleiten über die Steine des Flusses wurde der Kiel allmählich poliert.

Was gehörte zu einem Boot: das Ruder, die Stange, die größere Stange, ein größeres Ruder und das Steuerruder.
Das Ruder diente zum Flussabwärts- und zum Flussaufwärtsfahren. Flussaufwärts wurde vor allem die Stange gebraucht, die gegen den Grund des Flussbettes gestemmt wurde, um das Boot in die gewünschte Richtung zu drücken. Diese war vier bis fünf Meter lang und wies am Ende eine Eisenspitze von einer Länge bis zu 40 cm auf.

Wurde mit schwerer Last gefahren, so wurde das Boot vom Ufer aus mit Kabeln von auf dem „Lainepâd“ gehenden Männern oder Pferden gezogen. Größere Boote wiesen an der Vorderbank auf beiden Seiten einen langen Eisennagel zum Befestigen der Kabel an einer besonders kräftigen Abstoßstange. Die Ruder lagen i einschnitten beiderseits der Bänke. Die „Bollen“ wurden bisweilen durch eiserne Bolzen ersetzt, die den Rudern als Drehpunkt dienten.

Welche Bootsarten wurden rund um Echternach gebaut:
Die „Schaloup“ war ein großes Segelboot, der „Föscheraachen“ ein ziemlich großes Fischerboot, der „Läfer“ ein leichtes und schnelles Rennboot, das „Schöffchen“ ein kleines Boot, das „Schöff“ ein größeres, die „Foar“ ein Fährboot. Der „Sandaacher“ diente zum Sandtransport, der „Ankeraachen“ war ein Boot mit Ankern, ein „Kanalschöff“ ein zur Kanalschifffahrt bestimmtes Boot. Ein „Litschöff“ diente zum Personentransport.
Die größten in Echternach gebauten Boote dürften 200 Tonnen oder 4000 Zentner gehabt haben. Gebaut wurde vorwiegend für Anwohner der Sauer und der Mosel. Die Echternacher Schiffe schwammen bis an den Rhein und bis nach Holland.

 

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