Das Doppeladler-Buch auf YouTube:

Doppadlerbuch bestellen"DOPPELADLER-Mitmach-Buch" - das Buch von und für die Bürger der Grenzregion
Das Buch ist über den Buchhandel zum Preis von 14,90 Euro zu beziehen und bei nachstehenden Verkaufsstellen erhältlich:
Verbandsgemeindeverwaltung Irrel, Auf Omesen 2 - Touristinformation Irrel, Niederweiser Straße 31, 54666 Irrel,
Touristinformation Bollendorf, An der Brücke, 54669 Bollendorf - Fa. Kranz, Schreibwaren/Toto-Lotto Annahmestelle, Postagentur, Hauptstraße 26, 54666 Irrel
Boutique Mona Lisa/Toto-Lotto Annahmestelle, Neuerburger Straße 13, 54669 Bollendorf - Schloss Niederweis, 54668 Niederweis
Die Sauerschiffer – ein Handwerk im Wandel der Zeit PDF Drucken E-Mail

Quelle: EVY FRIEDRICH (1977): „Die Schaffbaier“ – in: „Echternach – notre villevon Sarah Nußbaum aus Holsthum

Nahezu in Vergessenheit geraten scheint das für die deutsch-luxemburgische Grenzregion fast 2000 Jahre lang typische Handwerk der Schiffer und Schiffbauer („Schaffbaier“).
Doch die Erinnerung daran lohnt sich, denn nach den Fuhrleuten handelte es sich dabei um eine der wichtigsten Berufsgruppen der Region, die Handel und Verbin-dungen national und international maßgeblich beeinflussten und unterstützten.

 

„Von den Römern bis zur Neuzeit“

Die frühesten Spuren der Sauerschiffer finden sich in Form des Urnengrabs des römischen Schiffers Argraippo, das unter dem Namen Schmittenkreuz bei Touristen und Einheimischen bekannt ist. Der Einfluss der Römer und insbesondere die Gründung der Stadt Trier führten zu erheblichem Bedarf an Baumaterial, der schon bald auch durch Lias-Sandsteinfelsen und Holzbestände aus der Südeifel gedeckt werden sollte. Etwa 500 Jahre lang dauerte der Transport mittels Flößen für die Römer, doch auch nach deren Untergang blieb die Beförderung über die Flüsse der Region bestehen. Um die Sicherheit der Ladung, die damals meist aus Holz, Steinen und zunehmend Holzkohle bestand, zu gewähren, stellten die Schiffer nach und nach auf Kahne, Boote und kleine Schiffe um, die jedoch einen beschwerlichen Rücktransport mit viel Kraftaufwand erforderten. Auftraggeber der Schiffer waren zu dieser Zeit vor allem Grafen, Äbte und Kaufleute, beliefert wurden die Gebiete rund um Rhein, Mosel und Sauer. Im beginnenden 19. Jahrhundert wandelte sich das Handwerk von der Leib-eigenschaft zu selbstständig arbeitenden Unternehmern, die den Schiffbau und die Schifferei beständig vorantrieben und von regionalen Auftraggebern wie bei-spielsweise der Weilerbacher-Hütte profitierten. In der Zeit der Industrialisierung sol-len zeitweise bis zu 50 Sauerkähne der Schifffahrt zur Verfügung gestanden haben, um hauptsächlich industrielle Rohstoffe an Saar, Mosel und Sauer zu verschiffen. 30 der Kähne befanden sich in Wasserbillig, sechs in Echternach und zehn in Bollendorf.

„Gelebte Handwerkstradition“

Immer mehr Echternacher „Schiffbaier“, die wegen ihrer Sturheit und Dickköpfigkeit auch „Kirpekeep“ genannt wurden, pachteten einen Teil des Gebiets am Rande der Sauer, um dort ihre Schiffe zu erstellen. Die Bezeichnung „Kirpekeep“ leitet sich von den „Kirpen“, einem knieförmigen, zähen Holz ab, das zur Verbindung zwischen den Rippen des Bootes mit dessen Boden diente. In einer Körperschaft waren die Schiffbauer zusammengeschlossen und pflegten im Rahmen dieser auch die Tradition, am Vorabend des St. Nikolaus, dem Patron der Schiffer, untergehakt durch die Straßen Echternachs zu ziehen und das „Schaffbaierlidd“ singend von ihrem Leben als Schiffsbauer zu berichten. In den 1930er Jahren lebte der Schiffbauerumzug in Verbindung mit dem Nikolausumzug wieder auf, obwohl es zu dieser Zeit keine aktiven „Schiffbaier“ mehr gab.

„Vom Baum zum Boot – die Bauweise“

Die Herstellung eines Kahns war sehr aufwendig und wurde komplett von den Schiffbaumeistern und ihren Gehilfen durchgeführt. Dies begann zunächst mit der Suche nach dem richtigen Bauholz, das auf der „Böschkermess“, einer großen Holzversteigerung, erstanden wurde.
Bei Kauf achtete man vor allem auf kräftiges Eichen- und Buchenholz, das stabil genug zum Schiffbau war und keine Krankheiten oder Schäden enthielt, die dem Käufer gefürchtete finanzielle Einbußen brachten. Auf dem von der Stadt gepachteten „Schaffplaaz“ stapelte man die Stämme zunächst, bevor man sie auf die gewünschte Länge brachte. Störende Äste und Zweige wurden entfernt, der Stamm wurde entrindet und die gesamte Stammlänge auf eine möglichst gleichmäßige Dicke gebracht. Die bei diesem Vorgang seitlich abgetrennten Bretter nannte man „Schouaten“ (Schwarten). War der Stamm auf diese Weise fertig bearbeitet, brachte man ihn zur „Schnaidkaul“, einem grob ausgemauerten Graben von etwa einem Meter Tiefe, wo er auf zwei Holzbalken aufgelegt und befestigt wurde, damit die „Dillschnidder“ (Langbrettschneider) zum Einsatz kommen konnten. Einer davon stieg in die Grube während sein Kollege auf dem darübergelegten Stamm stand, sodass beide eine Säge betätigen konnten, die von oben nach vorher bestimmten Markierungen durch den gesamten Stamm gezogen wurde.
Die geschnittenen Bretter bewahrte man aufeinandergeschichtet zu Haufen auf, damit das Holz seine Feuchtigkeit bewahren konnte und so vor Trockenheitsrissen geschützt war. Bei Hitze schichtete man zusätzlich Sägemehl auf, um einen optimalen Schutz des Holzes zu gewährleisten. In der Weiterverarbeitung über dem sogenannten Brennstôk wurden die Bretter durch Erhitzen über einem Feuer bereits in ihre spätere, gekrümmte Form gebracht, die sich an dem vorne und hinten spitz zulaufenden Boot orientierten, gegebenenfalls glich man Unebenheiten durch angebrachte Gewichte aus.

„Der Bau kann beginnen“

Nach diesen Vorbereitungsarbeiten begann der eigentliche Schiffsbau mit der Konstruktion des stabilen und tragfähigen Gerüstes aus Balken, Pollern, Latten und kleinen Brettern. Später kamen Boden und Bootsflanken hinzu, die jeweils durch kleine Verstrebungen noch stabiler und belastbarer gebaut wurden. Um weiterzubauen wurde das Boot zunächst mit dem Kiel nach oben gelegt und Boden und Flanken miteinander verbunden. Zwei Bretter bildeten den durchgängigen, etwa 60 bis 70 cm breiten Boden, der aus Eichenholz bestand. Zusätzlich verband man die verwendeten Bretter mit breiten und dickköpfigen Nägeln aus der Echternacher Nagelschmiede, sodass nochmals Festigkeit und Standhaftigkeit des Schiffs verbessert wurden. Eine besondere Nagelform bildeten die „Sönterneel“, die auch durch ihre Form als „Kobenauen“ (Rabenaugen) bezeichnet wurden und mithilfe des in die Zwischenräume der Bretter gepressten Moos das Eindringen von Wasser verhindern sollten. Ähnlich wie ein Schieferdach überdeckten sich die „Sönterneel“, um das Boot wasserfest zu machen. Zusätzlich dazu wurden „d’Fou’en“ (die Fugen) mit Werg aus feinsten Leinfibern ausgeschmiert und mit Pech abgedichtet. An den bereits erwähnten namensgebenden „Kirpen“ dienten an deren Enden die sogenannten Schaandeekel, als horizontale Bretter angebracht, als Sitzgelegenheit. Das gesamte Boot war nach außen mit Buchenbrettern ausgekleidet, was sich „Double’er“ oder „Fo’uder“ nannte. Zum zusätzlichen Schutz wurde es komplett von außen mit Teer imprägniert.
Das fertige Schiff konnte durch das Ruder („Rouder“, „Handrouder“), die Stange („Aachebâm“, „Schour“), eine größere Stange („Schôrbâm“) sowie durch ein größe-res Ruder („Rébämchen“) und das Steuerruder („Staierrouder“) manövriert werden. Flussabwärts steuerte man das Boot vor allem durch die Ruder, während flussauf-wärts die Stange zum Einsatz kam und durch das Stemmen gegen den Grund des Flussbettes das Boot gegen den Strom bewegte.
Schwere Lasten wurden zudem noch vom Ufer aus gesteuert, indem man von dort aus Stricke am Boot befestigte, die von Menschenkraft oder auch durch Pferde ge-zogen wurden.

„Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten“

In Echternach baute man neun verschiedene Bootsarten, die jeweils auf ihre Be-stimmungen zugeschnitten waren. Zum einen gab es die „Schaloup“, ein großes Segelboot und den „Föscheraachen“, was ein großes Fischerboot war. Daneben gab es den „Läfer“ oder auch „Fle’er“ genannt, der sich als schnelles und leichtes Rennboot auszeichnete, das „Schöffchen“, ein kleineres Pendant zum „Schöff“ und die „Foar“, ein Fährboot zum Übersetzen. Zum Sandtransport wurden „Sandaacher“ genutzt, bei benötigten Ankern der „Ankeraachen“. Wollte man hauptsächlich Kanalschifffahrt betreiben, nutzte man ein „Kanalschöff“, das etwa 200 Tonnen wog und eine Länge von 36m und eine Breite bis zu 5m haben konnte. Zum Personentransfer baute man sogenannte Litschöff unterschiedlicher Größe.

„Die Tradition lebt weiter“

Das Ende der Sauerschifffahrt wurde durch die Inbetriebnahme der Sauertalstrecke der luxemburgischen Prinz-Heinrich-Eisenbahn ab dem Jahr 1873 eingelei-tet.Trotzdem lag die Tradition der Schiffbauer nicht sofort brach, da die Auftragslage noch eine Weile stabil blieb. Nach dem Jahr 1925 stellte der letzte Bootsbauer Ech-ternachts, Dell, seine Produktion endgültig ein.
Längst schon sind die Zeiten vorbei, in denen man diese Schiffsarten auf der Sauer und umliegenden Gewässern bewundern kann, wer sich allerdings dafür interessiert, findet im Stadtpark Echternach nicht nur eine Bauanleitung sondern auch eine Informationstafel, die sich neben dem Doppeladler-Pavillion befindet. Auch wenn es so scheint, gänzlich verschwunden ist das Erbe dieser Tradition in der Region trotzdem nicht, denn der Kanuverleih lockt sowohl Touristen als auch Einheimische an und bietet diesen die Möglichkeit, auf den Spuren der Sauerschiffer zu wandeln und sich der wunderschönen Natur der Südeifel hinzu-geben.

 Quelle: EVY FRIEDRICH (1977): „Die Schaffbaier“ – in: „Echternach – notre ville und andere ..

 
Kommentare (2)
Kein Plagiat
2 Freitag, den 20. April 2012 um 13:50 Uhr
Evy Friedrich zitiert sehr wohl gleich im erstem Abschnitt seines Textes, auf Seite 251 von "Echternach-Notre Ville", den Prof. Félix Heuertz und seinen Beitrag als Ursprungsquelle.
Zitat : .. so dass es angebracht erscheint, die Arbeit Professor Heuertz', bearbeitet und ergänzt, einem grösseren Leserkreis zugänglich zu machen ...
Meiner Meinung nach demnach kein Plagiat.
Souvenirs d'Echternach
1 Dienstag, den 13. Oktober 2009 um 14:03 Uhr
Eine akribische Beschreibung der Arbeit der "Schaffbaier" liefert: Félix Heuertz (1940): Souvenirs d'Echternach. Animaux, plantes et métiers qui s'en vont. - Soc. Nat. luxemb., Livre jubilaire, fasc. 1: 231-252, 6 pl. (http://snl.mnhn.lu/snl/bulletin/SNL_1940_050_231_252.pdf). Der von Sarah Nußbaum zitierte Artikel von E. Friedrich stellt eigentlich nur ein Plagiat (inklusive Fotos) dieser Arbeit dar, die Friedrich nicht als Quelle erwähnt hat.

Kommentar hinzufügen

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:
Ihre Webseite:
Titel:
Kommentar (Sie können hier HTML-Tags verwenden).:
  Sicherheitscode zur Prüfung. Nur Kleinschreibung. Keine Leerzeichen.
Sicherheitscode-Prüfung: