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Bollendorf- das Dorf der Handwerker und Arbeiter PDF Drucken E-Mail
Freizeitvergnügen auf der Sauer bei Bollendorf (Foto: Paul Colljung)Die Sauerschiffer
von Paul Colljung, Bollendorf

Es gab sie und das fast 2000 Jahre lang! Die Sauerschiffer. Sie waren nach den Fuhrleuten eine der wichtigsten Berufsgruppen, die dem Handel und der Verbindung regional sowie über Landes- und Fürstengrenzen dienten. Übten sie über lange Zeit ihren Beruf noch als Leibeigene aus, so wurde aus ihnen später ein eigenständiges Unternehmertum.

Die ersten Menschen, die unseren Lebensraum bewohnten, mögen sich wohl einen primitiven Einbaum oder ein einfaches Floß zum Transport von Gegenständen oder zum Fischen gebaut haben. Es traten in allen Bereichen große Neuerungen ein mit der Landnahme der Römer und der Gründung der AUGUSTA TREVERORUM anno 16 vor Chr.
Die neuen römischen Eroberer und Landesherren benötigten zum Bau ihrer großen Residenzstadt eine wahre Unmenge an Baumaterial, wobei dies in erster Linie Steine, Holz und Kalk waren. Die Steinbrüche um Trier, Kordel und Ehrang lieferten den roten Sandstein, der bei Weitem den Bedarf nicht decken konnte. Da stehende Heere stets als Bauarbeiter verwendet wurden, konnten diese Legionäre den Bedarf an Steinen mit dem Brennen der römischen Flachziegel nur gering aufbessern.
Unsere Heimat mit ihren unzähligen Liasfelsen bot für diese Zeit ein unerschöpfliches Reservoir an Steinen. Die Steine wurden nicht mit Lastkähnen abtransportiert, sondern geflößt. Somit brauchten die Lastkähne nicht mehr von Pferden flussaufwärts zu ihren Standorten gezogen werden. Das Holz aller Flöße blieb direkt in der Römerstadt als Baumaterial und zum Heizen der Thermen. Beinahe 500 Jahre holten sich die Römer einen beachtlichen Teil ihres Bedarfes in unserer Heimat. Eine römische Verladerampe war direkt an der Sauer im Bereich des heutigen Bollendorfer Freibads.
Bei den ersten Bauarbeiten im Jahre 1974 wurden noch 18 große Steinquader römischer Herkunft hier freigelegt.
Der römische Hafen in der antiken Zeit war am Nebenarm der Mosel am heutigen Kranenufer, wo dann auch in direkter Nähe die großen römischen, HOREA (Lagerspeicher) lagen.
Wer heute staunend an der PORTA NIGRA die mörtellos aufeinander gefügten gelben Sandsteinquader betrachtet, zieht Vergleiche mit unserem „Gelben Luxemburger Lias-Sandstein“ (nach A. Steiniger). Hier dürfte sich der wohl sehr bekannte Dr. Gilles vom Rheinischen Landesmuseum in Trier wohl auch einmal wesentlich geirrt haben bei seiner Aussage, dass diese Steine der PORTA NIGRA aus den Kordeler Steinbrüchen kamen. Alle Steinquader sind nicht roter, sondern gelber Sandstein und dürften mit großer Wahrscheinlichkeit aus unserer Heimat kommen.

Unter den wertvollen Kulturdenkmälern unserer Heimat ist das „Schmettekreijz“ in den Jeichen, zwischen Altschmiede und Pölsenhof, ein wesentlicher Beweis für die frühe Schifffahrt auf der Sauer. Die ausgemeißelte Steinurne des römischen Felsengrabes diente im Mittelalter als Halterung eines steinernen Wegekreuzes (daher „Schmettekreijz“). Wie die Geschichtsbücher lehren, wurde der kleine Fels zuvor zum Urnengrab eines begüterten römischen Schiffers ARGRAIPPO. Der als Urnenabdeckung dienende Halbwalzenstein war an der Stirn- und Rückseite künstlerisch bearbeitet. Dieser Stein wurde von Pfarrer Johann Dahlem um 1851 mit Helfern aus der Sauer geborgen und gilt als verschollen. Man beachte den von mir zeichnerisch erstellten Versuch einer Rekonstruktion der Steinszenen, auch die Ergänzung fehlender Buchstaben. Längst war das Römerreich untergegangen, als die Fluss-Schifffahrt noch mehr an Bedeutung gewann. Die Flößerei hatte nicht die Bedeutung wie die der Voralpenländer, wo die Flößer nicht selten über die Donau hin bis zum Schwarzen Meer schifften. Für unsere Sauerschiffer wurde es schwerer, als die meisten Ladungen nicht mehr mit dem Floß, sondern wegen der Sicherheit mit dem Kahn befördert wurden. Kahn, Boot oder kleines Schiff wurden per Pferdekraft, beladen mit Rückfracht oder auch leer, wieder flussaufwärts zum Heimathafen bewegt. Die Fuhrmänner bewegten sich mit den Zugpferden über den Leinpfad, wenn der Wasserstand von Sauer und Mosel es zuließen. Schon bei Niedrigwasser versanken die Fuhrleute mit ihren Pferden oft bis an die Hüften im Wasser. Bei Hochwasser war an Rückholen nicht zu denken. Die im Flussgefährt sitzenden Schiffer mussten ihre Ruder eisern führen. Die oft hinderlichen Fisch- oder Mühlenwehre in den Flüssen mussten umfahren werden. Hier herrschte am engen Durchlass sowohl bei Tal- und auch bei Bergfahrt eine starke Strömung. Die Erbauer aller Wehre hatten dieselben immer an der linken Fluss-Seite angelegt (stromabwärts gesehen).
Zu den meisten Transportgütern zählten immer noch Holz, Steine und zunehmend Holzkohle. Auch die in hohem Maße bei Berdorf geförderten Mühlsteine nahmen ab Grundhof ihren Flussweg. Über Jahrhunderte wurden in Echternach die Kähne und Schiffe gebaut. Es waren „Föscheraachen“, „Läfer“, Fährschiffe, und das sogenannte „Kanalschöff“, das eine Länge von 36m hatte und beinahe 200 Tonnen als 4000-Zenter-Last trug. Echternacher Schiffe gab es viel auf Sauer, Mosel und Rhein. Grafen, Äbte und Kaufleute waren immer die Auftraggeber der Transporte. Als nach der französischen Revolution die Feudalherrschaften aufgelöst wurden, wurden die Flussschiffer zu selbstständigen Unternehmern. Für die hiesigen Schiffer war die Weilerbacher-Hütte immer größter Auftragsgeber.
Waren schon zuvor die Transporte ab Altschmiede wichtig, so kam nach der Verlegung der Eisenproduktion nach Weilerbach ein größerer Markt. Die Erzkaulen auf dem nahegelegenen Diesburgerberg waren ausgebeutet. Im Luxemburgischen Mersch hatte die Gemeinde vier „Erzwaschplatzen“ erschlossen. Das hochprozentige Erz wurde zerkleinert, von Erdreich gesäubert und oft in Holzfässern ab vierzig Litern transportiert.

Die Auftragslage ermutigte die Bollendorfer „Schiffsleuthe“ zur Selbstständigkeit ab 1800.
Es waren Nicolas Spang, Peter Spang, Philippe Felz und Matthias Wagener, wobei ersterer federführend bei allen Verträgen war. Neben den Transporten wurde auch ein wenig Handel mit An- und Verkauf von Eisen betrieben.
Roheisen wurde meist als Eisenplatten oder Masseln verfrachtet. Weit war der Transportweg von Erzen ab Mersch über Alzette bis Ettelbrück, dann über die Sauer über Diekirch nach Weilerbach mit oft sperrigen Ortsdurchfahrten. Für den Rückweg der Lastkähne flussaufwärts nach Mersch benötigten die Fuhr- und Schiffsleute vier bis fünf Tage je nach Strömung. So lud man die leeren Kähne auf zwei Achsen und fuhr mit dem Pferdegespann über Landstraßen über Grundhof, Müllertal, Christnach, Larochette, Angelsberg nach Mersch. Es ersparte viel Zeit und Schinderei.

In Grundhof gründete ein Engländer im 19. Jahrhundert ebenfalls eine kleine Eisenhütte, deren Produktion hochwertige Kanonenrohre waren, die über Sauer, Mosel dann auf größeren Schiffen Rheinabwärts bis nach England verschafft wurden. Der spätere Hüttenbesitzer Micheli legte die Hütte nach siebzig Jahren wieder still.

Ein handfester Streit zwischen den Bollendorfer Schiffsleuten und dem Fabrikherr Servais in Weilerbach lähmte über lange Jahre die Geschäftsbeziehungen. Eine sehr lange Schiffertradition endete schlagartig mit der Inbetriebnahme der Sauertalstrecke der luxemburgischen Prinz-Heinrich-Eisenbahn ab dem Jahre 1873. Ab nun wurde nahezu alles per Bahn transportiert, wobei Fuhrleute mit ihren Gespannen die Zubringerdienste leisteten. Die Weilerbacher-Hütte hatte später sogar eine eigene Werksbrücke mit Eisenbahnanschluss.

Die Echternacher Schiffbauer produzierten weiter, da ihre Kähne, Boote und Fähren noch über lange Zeit bestellt wurden. Nach 1925 stellte der Bootsbauer Dell seine Produktion endgültig ein.
Bollendorfer Familien, die zum Fischfang Stauwehre mit einer dazugehörigen Flussstrecke gepachtet hatten, schafften sich Fischernachen an, aus denen man auch die großen Fangnetze auswerfen konnte oder auch schon mal Heu oder Holz heimfuhr. Die Sauer sah noch einmal bei Kriegshandlungen 1944/45 etwas größere motorisierte Schleppkähne von Brückenbaupionieren, die sogenannte Pontons zum Bau von Kriegsbrücken schleppten.

Aus der einstigen Flussschifffahrt ist nun mit weitaus kleineren Booten und Kanus ein beliebter Freizeitsport geworden.
 

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